| Die erste Kohlebahn der Grube „Phönix“ Mumsdorf |
Am 11. Dezember 1904 wurde von dem Berliner Bankier Julius Treuherz ein Betriebsplan für die Niederbringung eines Versuchsschachtes der Braunkohlegrube Nr. 137 mit angeschlossener Brikettfabrik in der Flur Mumsdorf dem Bergamt Altenburg vorgelegt. Die Genehmigung dafür erteilte das Bergamt am 27. April 1905.Im Mai 1905 begannen in unmittelbarer Nähe des Ortes Mumsdorf die Aufschlußarbeiten für den ersten Tagebau. Das Wort „Phönix“ taucht zum ersten Mal in einem Brief vom 9. Juli 1905 von Julius Treuherz an den Herzoglichen Bergrevierbeamten, Herrn Gewerberat Böhnisch aus Altenburg, auf. Mit dem Bau der Tagesanlagen wurde im September 1905 begonnen. Bereits Weihnachten 1906 gelangte die erste Braunkohle in die Brikettfabrik. Unter der Bezeichnung „Grube Phönix, Braunkohlenwerk und Brikettfabrik Julius Treuherz“ erfolgte am 17. Februar 1908 die Eintragung in das Handelsregister beim Amtsgericht Meuselwitz. Julius Treuherz war der alleinige Besitzer dieser Grube. Am 1. April 1909 gründete sich daraus die Phönix Aktien-Gesellschaft für Braunkohlenverwertung Mumsdorf. Die Exklave Mumsdorf gehörte zu dieser Zeit dem Herzogtum Sachsen-Altenburg an. ![]() Im Laufe der Jahre wanderte der Tagebau an den Tagesanlagen des „Phönix“ vorbei, er erstreckte sich 1928 in nördlicher Richtung bis nach Falkenhain. Die große Entfernung von der Brikettfabrik führte zu einem Neuaufschluß eines Tagebaues bei Falkenhain. Bereits im August 1927 wurde links der Straße Falkenhain – Bünauroda ein Bagger aufgestellt, am 1. September 1927 verlegte man ein Gleis durch den Schulgarten Falkenhain. Ende Oktober 1927 begann der Abraumbagger seine Arbeit, die Wege nach Rusendorf und nach Bünauroda wurden bald darauf durchschnitten. Durch den Neuaufschluß bei Falkenhain kam es zu einer vollständigen Umstellung der Kohlengewinnung und der Förderung. Der gesamte Abraumbetrieb wurde umgestaltet. Gleichzeitig erfuhr auch der Grubenbetrieb eine Umstellung, da die Kettenbahn-Anlage infolge wachsender Entfernung immer unwirtschaftlicher wurde. Durch den Bau einer stationären Großraumbahn wurde die Kettenbahn-Anlage nicht mehr benötigt. ![]() Über den Einschnitt der Großraumbahn, welcher Falkenhain westlich und nördlich umzog, spannten sich drei Brücken. Über die 1. Brücke, vom Großraumbunker aus gesehen, führte der Weg nach Mumsdorf und Staschwitz mit Abzweig zur Windmühle Falkenhain und von da aus weiter nach Langendorf. In der Nähe des Gasthofes Friedemann gelangte man über die 2. Brücke nach Maltitz. Über die 3. Brücke, nahe dem Tunnel, waren Breitenhain und Prößdorf erreichbar. In Anwesenheit des Generaldirektors der Phönix Aktien-Gesellschaft für Braunkohlen- verwertung Mumsdorf (Thüringen), Herrn Kurt Bähr, erfolgte am 28. März 1931 die Inbetriebnahme dieser ersten Großraumbahn mit 900mm-Spur. In der Bevölkerung wurde diese Großraumbahn von Anfang an als Kohlebahn bezeichnet. In den Kriegsjahren 1944/1945 diente der Tunnel für die Falkenhainer Einwohner als Luftschutzraum. Bei einem Bombenangriff auf Falkenhain am 30. November 1944, welcher 17 Menschenleben forderte, fiel eine Bombe auch auf den Tunnel, direkt an der Stelle, an welcher der Rainbach über den Tunnel floß. Die Tunneldecke wurde nicht durchschlagen, es drang aber sehr viel Wasser in den Tunnel ein. Vor dem Tunneleingang, zum Tagebau hin, fiel eine weitere Bombe, dabei wurde der Betriebsangehörige Karl Müller aus Falkenhain durch einen Splitter am Kopf leicht verletzt. Am 13. April 1945 näherten sich amerikanische Panzer Falkenhain. Sie befuhren die leere Flakstellung, die sich westlich von Falkenhain befand. Die Panzer rollten aber nicht in Falkenhain ein, die zu leicht gebauten Brücken und der Einschnitt bildeten ein natürliches Hindernis. Falkenhain wurde so erst am 21. April 1945 von amerikanschen Truppen besetzt.- Der Tagebau Phönix – Falkenhain, in Richtung Breitenhain verlaufend, wurde von 1928 bis 1942 betrieben. Ab 1938 bis 1946 wurde er als Tagebau Phönix – Falkenhain / Hemmendorf weitergeführt. Nach der Auskohlung dieses Tagebaues verlor die erste Kohlebahn des „Phönix“ immer mehr an Bedeutung, sie wurde schließlich zum größten Teil zurückgebaut. Vor der vollständigen Auskohlung des Tagebaues Phönix – Falkenhain / Hemmendorf wurde 1940, zur Sicherung der Versorgung der Brikettfabrik mit Kohle, ein neuer Tagebau aufgeschlossen, der Tagebau Phönix – Ost . Auf einer neuen Kohlebahnstrecke, vom Tagebau aus durch einen Tunnel, über verfülltes Tagebaugelände, vorbei an Falkenhain, wurde die Kohle der Brikettfabrik zugeführt. Dabei wurde ein Teilstück der ersten Kohlebahnstrecke, von der Geländeoberkante bis hin zum Großbunker, in die neue Strecke eingebunden. 1943 nahm dieser Tagebau den vollen Betrieb auf, er wurde bis 1963 betrieben. In heutiger Zeit sucht man in Falkenhain vergebens nach den Spuren der ersten Kohlebahn des „Phönix“. Die Brücken sind längst verschwunden, der Einschnitt wurde verfüllt, der Tunnel ist nicht mehr sichtbar. Der Abriß des alten Großraumbunkers erfolgte im Jahre 2006. Nur ein Teil des Dammes der Kohlebahn existiert noch. Die Brikettfabrik Phönix Mumsdorf stellte nach 94 Jahren Betriebstätigkeit die Produktion ein, die letzte Schicht wurde am 30. Juni 2000 gefahren. ![]() Reinhard Steinert / ehrenamtlicher Ortschronist von Falkenhain |
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Am 11. Dezember 1904 wurde von dem Berliner Bankier Julius Treuherz ein Betriebsplan für die Niederbringung eines Versuchsschachtes der Braunkohlegrube Nr. 137 mit angeschlossener Brikettfabrik in der Flur Mumsdorf dem Bergamt Altenburg vorgelegt. Die Genehmigung dafür erteilte das Bergamt am 27. April 1905.
